INDUSTRIE Transport und Logistik
LAND Australien

Public Transportaion Victoria, das öffentliche Nahverkehrsunternehmen des australischen Bundesstaats Victoria, ist auf ein Smartcard-Ticketsystem für seine Straßenbahnen, Busse und Züge umgestiegen.

Geschäftliche Anforderung

Public Transport Victoria wollte Papiertickets und Magnetstreifenkarten durch ein Smartcard-System ersetzen, das es Kunden ermöglicht, mit einer einzigen Karte nahtlos alle Verkehrsmittel zu nutzen.

Die Lösung

Das Team setzte auf Standardkomponenten und eine offene Architektur, um ein Back-Office-System aufzubauen, das bei eventueller Integration neuer Komponenten in der Zukunft Flexibilität ermöglicht.

Ergebnisse

  • Nutzer melden sich beim Einsteigen per Touch an und beim Aussteigen per Touch ab. Das System ermöglicht es den Behörden, Hunderte von Daten zu erfassen und analysieren, die dabei helfen, die Transporteffizienz und -planung zu verbessern.
Public Transport Victoria

Es wurden mittlerweile bereits mehr als 1 Mrd. Fahrten mit myki getätigt und Transaktionen in Höhe von über 4 Mrd. Dollar verarbeitet, wovon über 2 Mrd. Dollar Einnahmen sind. Es wurden über 12,8 Mio. myki-Karten an örtliche Kunden sowie an Kunden aus anderen Staaten und dem Ausland verkauft.

In den späten 90ern und frühen 2000ern wurden im Großraum Melbourne Magnetstreifentickets verwendet. In den Regionalbahnen, Bussen und Reisebussen wurden verschiedene Papiertickets eingesetzt. Der Vertrag für das Magnetstreifensystem lief aus und die Behörden von Victoria wollten ein Smartcard-Ticketsystem einführen, das im gesamten Bundesstaat gilt und die Transaktions- und Zahlungsabwicklung für über 450 Mio. Stammkunden jährlich erleichtert. 

Es sollte möglich sein, über das System die Fahrpreise für die meisten der öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen: Straßenbahnen, Stadtbusse, S-Bahnen und regionale Pendlerbusse und Züge. 

Man gründete Public Transport Victoria (PTV), ehemals Transport Ticketing Authority (TTA), um im Namen der Regierung des Bundesstaats von Victoria für die öffentlichen Verkehrsmittel das Ticketsystem „myki“ einzuführen. Im Juli 2005 erhielt KAMCO – jetzt NTT DATA Victorian Ticketing System (NTT DATA VTS) den Zuschlag für den Bau, die Installation und den Betrieb von myki.nbsp

NTT DATA VTS schloss die aufwändige Umstellung auf das Smartcard-System im Jahr 2011 ab. Das System wird im gesamten Bundesstaat Victoria genutzt – von Melbourne bis hin zu größeren regionalen Zentren. Das myki-Ticketsystem erstreckt sich von Melbourne aus über einen Radius von 300 km. Damit ist das Smartcard-System weltweit eines der größten im öffentlichen Verkehr. 

Ein Ziel des myki-Projekts war die Integration von Ticketsystemen, damit die Fahrgäste den öffentlichen Nahverkehr mit einem Fahrschein nutzen können, auch wenn sie verschiedene Verkehrsmittel und Anbieter nutzen. Hierzu mussten alle Merkmale, Funktionen und Vorteile einer Lösung auf Kabelbasis auch im Mobilfunknetz funktionieren. Die neue Lösung musste so umgesetzt werden, dass während der Implementierung weder die Ticketzahlung noch der Reiseplan der Fahrgäste gestört werden. Das neue System stellte auch Daten bereit, die von den Behörden als Input für eine langfristige Verkehrsplanung verwendet werden konnten. 

Durch das myki-Pojekt sollte ein einheitliches, Smartcard-basiertes Ticketsystem für den öffentlichen Verkehr im Großteil des Bundesstaats Victoria ermöglicht werden. Wie bei allen Projekten dieser Größenordnung waren eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen: 

  • Nutzerkomfort: eine einzige Smartcard für fast alle Verkehrsmittel des Verkehrsnetzes von Victoria
  • Konsistenz: Anpassung der Geschäftsregeln, Berechnung des Deckelungsbetrags, Überlappung von Zonen, Konzessionen für den Passagiertransport etc. für die einzelnen Verkehrsmittel sowohl für das mobile als auch für das fest installierte Ticketsystem
  • Einkaufskomfort: Smartcards im Einzelhandel, an Bahnhöfen, größeren Straßenbahnhaltestellen und Busknotenpunkten sowie per Smartphone und Internet erhältlich sowie Möglichkeit für regelmäßige Pendler, die Karten wieder aufzuladen
  • Transaktionskomfort: einfache Möglichkeit, den Betrag auf der Karte zu überprüfen, und diese an größeren Straßenbahnhaltestellen, Bahnhöfen und Busbahnhöfen aufzuladen sowie eine automatische Aufladung einzurichten
  • Langlebigkeit der Ausstattung: die Notwendigkeit einer längeren Lebensdauer der elektronischen Geräte, die sich oft in unbeaufsichtigten Umgebungen befinden
  • Wertschutz: einfache Sperrung oder Deaktivierung registrierter Karten bei Verlust oder Diebstahl und weniger Barzahlungen
  • Weniger Papier-Fahrscheine, geringere Kosten: Durch die Einführung von Plastikkarten können Tickets länger verwendet werden 

NTT DATA stellte in Melbourne ein Projektteam zusammen, das das Smartcard-Ticketsystem aufbaute. Gleichzeitig wurde eine Betreibergesellschaft gegründet, um die Geschäftsprozesse zu entwickeln, Kontakte zu den Transportunternehmen zu pflegen und örtliche Tarifstrukturen auszuarbeiten, die eine fortlaufende Instandhaltung des Systems ermöglichen. 

Das Team entwickelte auf der Grundlage von Standardkomponenten und einer offenen Systemarchitektur das myki-„Backoffice“-System, in das bei Bedarf neue Komponenten integriert werden können. Die Clearingstelle für Transaktionen wurde auf der Grundlage einer Technologie entwickelt, die erfolgreich in großen Fahrscheinsystemen in Europa, Hongkong, Singapur und den USA zum Einsatz kommt. 

Der Umstieg der Kunden, Transportunternehmen und -anbieter sowie der Verkehrsbehörde auf myki begann im Jahr 2008 in den Bussen der Stadt Geelong. Das System wurde anschließend schrittweise auf ausgewählte regionale Busnetze ausgeweitet. Im Jahr 2010 wurde die Einführung in den regionalen Busnetzen sowie in allen Verkehrsmitteln im Großraum Melbourne abgeschlossen. Der Umstieg der Regionalbahnen auf das System war 2013 vollzogen.

Die Kunden begannen sofort, myki und seine Touch-Technologie anzunehme, wozu auch eine umfassende Marketingkampagne beitrug. Das myki-System wurde parallel zu dem alten Magnetstreifensystem betrieben, während die Fahrgäste begannen, auf die neue Technologie umzusteigen.

Heute kann das myki-System in 13 Verkehrszonen von Victoria und für fünf Verkehrsmittel verwendet werden (Zug-, Straßenbahn- und Busnetz in Melbourne und regionales Pendlernetz aus Zug- und Busverbindungen). Das Verkehrsnetz umfasst 480 Straßenbahnen, 265 Haltestellen, 800 Verkaufspunkte und 2.400 Busse. 

Es wurden mittlerweile bereits mehr als 1 Mrd. Fahrten mit myki getätigt und Transaktionen in Höhe von über 4 Mrd. Dollar verarbeitet, wovon über 2 Mrd. Dollar Einnahmen sind. Es wurden über 12,8 Mio. myki-Karten an örtliche Kunden sowie an Kunden aus anderen Staaten und dem Ausland verkauft. 

Das myki-System ermöglicht es den Behörden, Hunderte von Daten zu erfassen und analysieren, die dabei helfen, die Transporteffizienz und -planung zu verbessern. Unter anderem werden die folgenden Daten gesammelt: Fahrgasttyp, Ticketstatistik, Zahlungsmethode, Ort der Fahrt, Routen und Haltestellen der einzelnen Fahrzeuge (mit Ankunfts- und Abfahrtzeiten) und Zahl der an jeder Haltestelle aussteigenden Fahrgäste. Auf der Grundlage dieser wichtigen Informationen können die Behörden in ganz Victoria die Verkehrsservices weiter verbessern.

Die Fahrgäste berühren mit ihrer Karte zu Beginn und zum Ende der Fahrt ein myki-Lesegerät. Das System berechnet dann den günstigsten Fahrtpreis für die zurückgelegte Strecke. Die Fahrkosten werden auf der Karte gespeichert und zur Berechnung der Kosten von weiteren Fahrten gemäß den Tarifbestimmungen verwendet. So werden beispielsweise Tagesobergrenzen bei bestimmten Zonen- und Zeitparametern berücksichtigt.

Die meisten Karten (39 %) werden bei Einzelhändlern erworben. Auf dem zweiten Platz liegen Bahnhöfe des Regional- und Stadtverkehrs (34 %) und an dritter Stelle Ticketautomaten an Bahnhöfen und Straßenbahnhaltestellen (14 %). Die Fahrgäste können über ein Online-Konto, das mit ihrer Kreditkarte oder ihrem Bankkonto verknüpft ist, eine automatische Wiederaufladung des Guthabens festlegen. In diesem Fall wird die Kundenkarte automatisch um einen bestimmten Betrag neu aufgeladen, wenn der Restbetrag auf der myki-Karte unter einen bestimmten Schwellenwert sinkt.

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